Sterbehilfe aus der Sicht der Spiritualität

1. Einführung

Täglich müssen Familien und ihre Ärzte rund um die Welt schmerzliche Entscheidungen treffen, ob sie einen Verwandten absichtlich sterben lassen, um ihn von seinem Leiden zu erlösen. Dies nennt man gewöhnlich Euthanasie oder aktive Sterbehilfe. Die Euthanasie betreffenden Gesetze sind von Land zu Land verschieden.

Abgeleitet aus dem Griechischen, wo es wörtlich „guter Tod“ bedeutet, hat die Euthanasie verschiedene Formen und im Folgenden bringen wir einige Beschreibungen:

  • Tötung auf Verlangen, aktive Sterbehilfe: Hier einigen sich Arzt und Patient, wobei beide zustimmen (mit formaler Einwilligung), dem Leben des Patienten ein Ende zu setzen. Dies ist nur der Fall, wenn der Patient enorme Leiden durchlebt und den Arzt inständig und wiederholt darum bittet, es zu tun. (Nachzulesen: Wikipedia)
  • Unfreiwillige Euthanasie, aktive Sterbehilfe: Diese wird durchgeführt, wenn die Person nicht in der Lage ist, um Sterbehilfe zu bitten (weil diese bewusstlos ist oder auf andere Weise unfähig zu kommunizieren), oder um eine sinnvolle Wahl zwischen Leben und Sterben zu treffen. In solchen Fällen trifft eine geeignete Person die Entscheidung im Namen des Sterbenden, vielleicht in Übereinstimmung mit seinem letzten Willen oder aufgrund früher geäußerter Wünsche. Situationen, in denen ein Mensch keine eigenen Entscheidungen treffen kann oder seine Wünsche nicht bekannt geben kann, beinhalten Fälle in denen:
    • Die Person im Koma liegt.
    • Die Person zu jung ist (z.B.ein Baby).
    • Die Person senil ist.
    • Die Person geistig stark behindert ist.
    • Die Person eine schwere Gehirnverletzung hat.
    • Die Person mental so gestört ist, dass sie vor sich selbst geschützt werden muss (Nachzulesen: About.com).
  • Aktive Euthanasie, aktive Sterbehilfe: Absichtlich den Tod einer Person herbeirufen, indem man so etwas wie eine tödliche Spritze verabreicht.
  • Passive Euthanasie, passive Sterbehilfe: Absichtlich den Tod eines Patienten herbeiführen, indem man die notwendige und übliche (normale und gebräuchliche, lebensverlängernde) Pflege oder Nahrung und Wasser verweigert.

Euthanasie wird weiterhin ein Streitpunkt bleiben und zu Debatten anregen. Medterms.com fasst die Auseinandersetzung so zusammen: „Es ist eine Angelegenheit, bei dem die Standpunkte weit auseinanderdriften und von begeisterter Befürwortung, über zurückhaltende Akzeptanz, bis hin zu gänzlicher Zurückweisung und sogar vehementer Verdammung, welche die Sterbehilfe mit Mord gleichsetzt, reichen.“

2. Einige spirituelle Begriffe

In diesem Artikel betrachten wir die Sterbehilfe (Euthanasie) ausschließlich aus der spirituellen Sicht. Doch bevor wir versuchen, den tatsächlichen Akt der Sterbehilfe aus spiritueller Sicht zu verstehen, machen wir uns doch mit einigen spirituellen Begriffen und Konzepten vertraut.

2.1 Schicksal

Schicksal ist der Teil unseres Lebens, über den wir keine Kontrolle haben. Alle größeren Ereignisse in unserem Leben sind vom Schicksal bedingt. Für weitere Informationen lesen Sie bitte unseren Abschnitt über das Schicksal.

 

 

2.2 Der Spirituelle Zweck des Lebens

Aus spiritueller Perspektive gibt es zwei Gründe, weshalb wir geboren werden. Diese beschreiben den Grundzweck oder auch Sinn unseres Lebens, nämlich:

  • Um unser Schicksal zu erfüllen und die Geben-Nehmen-Rechnungen, die wir mit verschiedenen Menschen haben, zu begleichen.

  • Um spirituell zu wachsen, mit dem letztendlichen Ziel, mit Gott zu verschmelzen und so aus dem Zyklus von Wiedergeburt und Tod auszusteigen .

Menschliches Leben ist sehr wertvoll. Denn wenn wir auf der Erde geboren werden, haben wir die Gelegenheit, uns spirituell zu entwickeln. Nachzulesen in dem Artikel spirituelles Ziel des Lebens.

2.3 Das Konzept des Todeszeitpunktes

Wir alle müssen irgendwann sterben und das wird von unserem Schicksal bestimmt. In unserem Leben gibt es gemäß unserem Schicksal einige vorherbestimmte Zeiten, zu denen wir sterben können. Wie eine Person stirbt, kann divergieren und ist nicht unbedingt vorherbestimmt. Zu einer vorherbestimmten Zeit, wenn es beispielsweise jemandem bestimmt ist zu sterben, wird er sterben. Jedoch können die Umstände unter denen er stirbt, durch Sterbehilfe, begleiteten Selbstmord oder aus normalen medizinischen Gründen sein. Im Fall von Mahāmrutyuyoga (definitiver Todeszeitpunkt) aber ist Euthanasie, unterstützter Selbstmord oder Selbstmord selten die Ursache des Todes. Gott findet einen natürlichen Weg für den Tod. Menschen, die einen gewaltsamen Tod sterben, sterben gewöhnlich aufgrund ihres Schicksals so .

Bitte lesen Sie dazu auch den Artikel über den Zeitpunkt des Todes.

3. Sterbehilfe – spirituell betrachtet

In diesem Abschnitt sehen wir uns einige Gesichtspunkte an, die uns eine weitere Perspektive geben, wenn wir uns mit Sterbehilfe bei uns selbst oder unseren Verwandten auseinandersetzen müssen.

Als wir zu diesem Artikel nachforschten, kamen wir zu der BBC Ethik-Webseite, die Folgenes besagt:

Sterbehilfe ist gegen das Wort und den Willen Gottes Religiöse Menschen argumentieren nicht darüber, ob wir uns nicht umbringen oder andere dazu bewegen können, es für uns zu tun. Sie wissen, dass wir es machen könnten, da Gott uns den freien Willen gab. Ihr Standpunkt ist, dass das zu tun falsch ist.“

„Sie glauben, dass jeder Mensch eine Schöpfung Gottes ist und dass diese Tatsache uns gewisse Grenzen auferlegt. Unser Leben ist nicht nur dazu da, dass wir damit machen, was uns gerade gefällt.“

„Selbstmord zu begehen, oder jemanden anderen dazu zu bringen, es zu für uns tun, bedeutet Gott und Sein Recht über unser Leben, die Länge unseres Lebens und die Art, wie unser Leben endet, zu leugnen.“

Nachzulesen: BBC on Euthanasia

Kommentar des Herausgebers:

  • Dies ist eine sehr oberflächliche und vereinfachende Art, die Sterbehilfe oder Euthanasie zu betrachten. Wenn wir unser Leben durch vom Weg der Hingabe (Bhaktiyoga) aus betrachten, gibt es nichts, was uns ohne Gottes Willen geschehen könnte. Gott hat das komplette Recht über unser Leben und es gibt nichts, was wir machen könnten, dieses zu ändern.
  • Nach dem Weg der Tat (Karmayoga) sind zur Zeit 65% unseres Lebens vorherbestimmt und 35% von unserem freien Willen bestimmt. Die Entscheidung, Sterbehilfe zu machen oder zu erbitten, mag nicht immer nur unserem freien Willen entsprechen und viele spirituelle Faktoren können die Folgen dieser Entscheidung beeinflussen.

3.1 Die Möglichkeit, Spirituelle Praxis zu machen

Wenn wir unseren spirituellen Sinn des Lebens im Auge behalten, wird dem Patienten, der Spirituelle Praxis machen kann, empfohlen, keine Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Denn es ist einfacher, im physischen Körper Spirituelle Praxis zu machen, als im feinstofflichen. In den feinstofflichen Regionen der Unterwelt (Bhuvaloka) und der Hölle (Patal) ist die Erfahrung von Leiden wesentlich größer als auf der Erde. In diesen feinstofflichen Regionen erleben feinstoffliche Körper wenig bis gar keine Freude oder Glück. Die Intensität des Leidens steigert sich auch noch, je tiefer man in die untern Höllenregionen kommt und die Möglichkeit, Spirituelle Praxis zu machen, schwindet ganz.

The seven positive and negative planes of existence in the Universe

Entgegen dem allgemeinen Glauben einiger größerer Religionen kommen im jetzigen Zeitalter von Kaliyug weniger als ein Prozent der Menschen in die feinstoffliche Region des Himmels. Im Himmel (Swargalok) vergessen feinstoffliche Körper die Spirituelle Praxis, weil sie ganz damit beschäftigt sind, die Früchte ihrer Verdienste zu genießen. Nur in den Regionen von Mahālok und höher, wohin weniger als 0,1% der Menschen nach dem Tod gehen, wird Spirituelle Praxis gemacht. Daher erlebt ein feinstofflicher Körper in der Unterwelt und darunter mehr Angriffe von höherrangigen negativen Wesenheiten, als eine Person auf der materiellen, physischen Existenzebene, der Erde. Nachzulesen im Abschnitt – In welche feinstoffliche Region gehen feinstoffliche Körper voraussichtlich nach dem Tod?

Im Endeffekt gibt es keinen spirituellen Vorteil für einen spirituell durchschnittlichen Patienten, der um Sterbehilfe bittet. Ein beschleunigter Tod gleicht nicht die Möglichkeit der Spirituellen Praxis in den feinstofflichen Regionen des Universums aus oder bringt weniger Qualen. Jedoch kann jemand Verdienste erlangen, abhängig vom Grund, weshalber um die Euthanasie bittet.

Nachzulesen in Absatz 4.2 Die Sünde der Person, die um Tötung auf Verlangen bittet

 3.2 Das Spirituelle Niveau

In jemandem, der im Koma liegt, oder sich in einem permanent vegetativen Zustand befindet, ist das Unterbewusstsein immer noch aktiv und damit auch das Geben-Nehmen-Zentrum. Wenn ein Mensch Spirituelle Praxis den sechs Grundprinzipien der Spirituellen Praxis entsprechend macht und ein spirituelles Niveau von 50-60% erreicht hat, läuft die Spirituelle Praxis im Unterbewusstsein noch weiter. Wenn man hingegen, bevor man ins Koma fällt, in der Spirituellen Praxis nicht wirklich verankert ist, ist es unmöglich, im Koma Spirituelle Praxis zu beginnen. Einer Person mit einem durchschnittlichen spirituellen Niveau, die unheilbar krank ist, deren geistige Fähigkeiten jedoch intakt sind, wird die Konzentration auf Spirituelle Praxis im Jenseits helfen und die Schmerzen vor dem Tod lindern. Obwohl dies theoretisch möglich ist, ist es praktisch jedoch aber sehr schwer für jemanden, Spirituelle Praxis nach den 6 Grundprinzipien zu beginnen, wenn er unheilbar krank ist und stark leidet. Palliative Pflege kann in dieser Situation helfen – Mehr darüber im Abschnitt über Palliativbehandlung.

Wir möchten Sie einladen, dazu das SSRF-Online-Seminar über die Funktionelle Struktur des Geistes und den Vortrag über Wie funktioniert das Chanten anzusehen

3.3 Bei andauerndem vegetativen Zustand

Welche Betrachtungsweise bietet sich, wenn sich ein Verwandter in einem permanent vegetativen Zustand ohne jegliche Hoffnung auf Genesung befindet?

Ein Mensch (Patient) durchlebt so eine Situation aufgrund seines Schicksals. Dies wirkt sich auf beide Seiten – sowohl den Patienten als auch auf die Familienmitglieder – aus. Es hängt auch von der Geben-Nehmen-Rechung, die zwischen dem Patienten und der Menschen, die ihn pflegen, ab. Wenn der Patient stirbt, bevor die Geben-Nehmen-Rechnung beglichen ist oder die schicksalsbedingten Unglückseinheiten durchlebt wurden, werden die Beteiligten sie in einem nächsten Leben erleiden müssen. Wenn wir also das Leiden in diesem Leben beenden, bleibt es trotzdem für eine weitere Lebenszeit bestehen. Der Unterschied mag vielleicht in der Länge und Intensität des noch zu durchlebenden Karmas liegen. Zum Beispiel kann ein Mensch und seine Familienmitglieder sich 10 Leidenseinheiten verteilt auf fünf Jahre im jetzigen Leben durch die Sterbehilfe erspart haben. In einem folgenden Leben könnten das 25 Leidenseinheiten verteilt auf 2 Jahre werden.

Auch sollten Familienmitglieder darüber nachdenken, was ihr wahrer Grund für die Entscheidung für die Euthanasie ist. Ist es zugunsten ihrer eigenen Zufriedenheit, haben sie gerade keine Zeit und wollen ihr weltliches Leben in Ruhe fortsetzen, oder sie wollen ihre Zeit dafür verwenden, Spiritualität zu verbreiten. Abhängig von ihrer Absicht, bekommen Familienmitglieder Verdienste, machen sich durch ihre Aktion schuldig oder überschreiten sogar das Gesetz des Schicksals.

Lesen Sie dazu auch den Artikel – Spirituelle Ursachen von Schwierigkeiten im Leben.

3.4 Gedanken über die Mittel, um jemanden am Leben zu erhalten, wenn keine Aussicht auf Genesung besteht

Medizinische Entscheidungsträger sehen sich mit dem schwerwiegenden moralischen Dilemma, zwischen Anforderungen und begrenzten Mittel zu entscheiden, konfrontiert. Was hat es für einen Sinn, jemanden in einem vegetativen Zustand (ohne Hoffnung auf Gesundung) zu halten, wenn die Ressourcen für andere gebraucht werden, die sie unbedingt brauchen. Die folgenden Punkte sind hilfreiche Gedanken aus der Sicht des spirituellen Standpunkts

  • Der Hauptzweck – oder Sinn – unseres Lebens ist, Spirituelle Praxis zu machen und sich spirituell zu entwickeln. Wenn jemand Spirituelle Praxis machen kann oder spirituelle Heilbehandlungen in der Palliativpflege annimmt, sollte das Leben verlängert werden. Genaueres in Absatz 6 – Was kann für unheilbar kranke Patienten in der Palliativbehandlung gemacht werden?
  • Wenn das oben erwähnte nicht stattfindet, ist es besser, dem Menschen die Sterbehilfe zu gewähren und so die Mittel jemandem anderen zur Verfügung zu stellen, der Spirituelle Praxis machen kann. Das entspricht dem spirituellen Grundsatz, dass die Gesellschaft bzw. das Gemeinwohl wichtiger ist, als die Bedürfnisse eines einzelnen.

3.5 Behinderungen bei der Spirituellen Praxis

Manchmal könnte die Familie eines Patienten, welcher sich in einem ständig vegetativen Zustand befindet, die Euthanasie erwägen, wenn seine Pflege ein Hemmnis für ihre eigene Spirituelle Praxis ist. Wenn es die ausschließliche Absicht ist, die Zeit und Mittel für Spirituelle Praxis einzusetzen, dann ist der Anteil der begangenen Sünde minimal.

3.6 Gedanken über das Leiden und den Verlust der Würde

Einige Patienten ziehen den Tod der Abhängigkeit vor, weil sie es hassen, für die Funktionen des Körpers auf andere angewiesen zu sein und damit ihre Privatsphäre und Würde zu verlieren fürchten. Ein Gottsuchender kann diese herausfordernde Zeit hervorragend nutzen, um sein Ego und sein Körperbewusstsein (Verhaftung bzw. Verhaftet sein am eigenen Körper) zu reduzieren und dabei spirituell Fortschritte zu machen. Beide, Ego und Körperbewusstsein sind Hindernisse in der spirituellen Entwicklung.

H.H. Pethe Aji2008 hatte Ihre Heiligkeit Pethe Aji, eine Heilige, die Spirituelle Praxis unter der Anleitung der SSRF machte, einen Schlaganfall, der Sie halbseitig lähmte und von anderen Gottsuchenden für Ihre täglichen Bedürfnisse bis zu Ihrem Tod 4 Monate später abhängig machte. Sie konnte sich jedoch in diesen vier Monaten so sehr auf Ihre Spirituelle Praxis konzentrieren, dass Ihr spirituelles Niveau um 4 Prozentpunkte von 74% auf 78% bis zu Ihrem Tod anstieg. Außerdem erfuhren Gottsuchende, die Sie pflegten, nur indem sie Ihr dienten, spirituelle Heilung. Wir führen dieses Beispiel als Beweis dafür an, dass die Prüfungen des Lebens zu unseren spirituellen Vorteil genutzt werden können. Dasselbe spirituelle Wachstum ereignete sich bei anderen Gottsuchenden, während sie unheilbar krank waren.

3.7 Gedanken über das Recht zu sterben

Viele Menschen sind der Meinung, dass jeder das Recht habe, mit seinem Körper und seinem Leben zu machen, was ihm beliebt und dass jeder bestimmen kann, wann, in welcher Weise und durch wessen Hand er oder sie sterben wird. Wir müssen dazu verstehen, dass nach dem Pfad der Hingabe nichts im Universum geschieht, was nicht nach Gottes Willen ist. Es wäre besser, wenn diese Menschen ihr Recht dazu verwenden würden, sich zu bemühen spirituell zu wachsen, was ja der eigentliche Grund ist, weshalb ihnen dieses Leben geschenkt wurde.

4. Euthanasie und Sünde

Regions of the Universe

Generell bewirken unsere Taten entweder Verdienste oder Schuld (Sünde) oder eine Mischung von beiden. Abhängig von unserer Schuld und unseren Verdiensten und dem Zustand unseres Egos zum Zeitpunkt des Todes, kommen wir dann in verschiedene feinstoffliche Regionen des Universums. Beispielsweise könnte jemand mit vielen Verdiensten in die Region des Himmels (Swargalok) und jemand mit vielen Vergehen in eine der sieben Höllenregionen (Patal) kommen. Bei jeder Tat ist die Absicht, die dahinter steht, besonders wichtig, wenn entschieden wird, ob jemand schuldig wird oder verdienstvoll handelt.

Die Schwere einer Sünde oder eines Vergehens und der darauf folgende Ausgleich der Rechnung ist nicht eine einfache 1+1=2 Rechnung. Es beinhaltet vielschichtige Berücksichtigunge einer großen Anzahl von Faktoren, von denen die folgenden eine wichtige Rolle spielen:

  • Absicht bei der Tat. (Die Absicht hinter jeder Handlung sollte übereinstimmend mit der spirituellen Perspektive sein und nicht nach den Gesichtspunkten einer Sekte.)
  • Situation zu jener Zeit
  • Die Angst, welche die Person und die betroffenen Menschen belastet
  • Spirituelles Niveau der Person, welche die Tat begeht
  • Die Geben-Nehmen-Rechnung, die dabei beglichen oder geschaffen wird
  • Die Art der Person/Wesenheit, die verletzt wird (ein Durchschnittsmensch, ein Gottsuchender, ein Heiliger, eine spirituelle Organisation usw.).

4.1 Sünde der Person, die bei einer Euthanasie hilft

Wenn ein Arzt bei einer Euthanasie mit allerbester Absicht bestrebt ist, die Person von ihrem extremen Leiden zu erlösen, ist dies eine Tat, die beides hervorbringt: Schuld und Verdienst. Abhängig von der Absicht hinter der Sterbehilfe oder Beihilfe zum Selbstmord, variieren die Werte für den Arzt. Die folgenden Beispiele beleuchten die Schwere von Sünde und Verdienst bei verschiedenen Taten auf einer Skala von 1 bis 100.

  • Den größten Verdienst erreicht man, wenn man das Leben eines Heiligen rettet (100% positiv)
  • Die größte Schuld lädt man auf sich, wenn man einen Heiligen tötet, besonders, falls dieser Heilige aktiv damit beschäftigt ist, Dharma (Rechtschaffenheit) zu verbreiten (100% negativ)
  • Wenn ein Arzt an einer Euthanasie beteiligt ist oder beim Selbstmord Hilfe leistet mit der ausschließlichen Absicht, die Qualen eines spirituellen Durchschnittsmenschen zu erleichtern, so kommt er zu jeweils 1% Schuld und Verdienst

Der Grund für die Schuld beruht auf der Tatsache, dass er Leben nimmt. Ein menschliches Leben ist wertvoll, es gibt uns die Möglichkeit Spirituelle Praxis zu machen und so das Ziel unseres Lebens zu verwirklichen.

Wie wir früher schon erwähnten, ist dieses die einzige Existenzebene des Universums (Himmel und unterhalb), in der Menschen wirklich Spirituelle Praxis machen können. Wenn jemand umgebracht wird, beraubt man ihn der Möglichkeit, Spirituelle Praxis zu machen. Die so aufgenommene Schuld ist daher sehr groß.

Für einen Gottsuchenden ist es wichtig, dass wir fähig sind, sowohl Verdienst als auch Schuld zu transzendieren, da sie uns beide im Zyklus von Tod und Wiedergeburt gefangen halten. Das kann nur mit Spiritueller Praxis erreicht werden. Nachzulesen in dem Begriff von Akarma-Karma.

4.2 Die Sünde der Person, die um Tötung auf Verlangen bittet

Wenn jemand bei Bewusstsein ist und um den Tod bittet, entsteht auch eine Sünde, wenn die Sterbehilfe durchgeführt wird. Aus spiritueller Sicht wird das sogar als Selbstmord gewertet, wenn jemand, der Schmerzen hat (ohne Hoffnung auf Genesung), sich mit Hilfe eines anderen das Leben nimmt. Die Größe der Sünde hängt jedoch von der Absicht, mit der man um den Tod bittet, ab. In manchen Fällen kann sich die Person wegen ihrer Absicht sogar Verdienste erwerben, wenn sie um den Tod bittet. Die Einstellung bzw. Attitüde eines unheilbar Kranken hängt von seinem spirituellen Niveau ab.

  • Hat jemand ein spirituelles Niveau über 50%, wird er die Einstellung haben „alles nach Gottes Willen geschehen zu lassen“. Hier nimmt er eher einen Beobachterstatus seinen Schmerzen und seiner misslichen Situation gegenüber ein .
  • Bei einem niederen spirituellen Niveau ist die Einstellung meist nach dem eigenen Willen ausgerichtet.

Es folgen einige Beispiele der Verhältnisse von Verdienst zu Schuld bei jemandem, der Sterbehilfe in Anspruch nimmt, abhängig von der Absicht der Person:

Intention behind euthansia and proportion of merits Vs demerits

5. Euthanasie und der Zeitpunkt des Todes

In einem früheren Abschnitt haben wir über den Begriff des Todeszeitpunkts gesprochen. Wenn der Zeitpunkt des Todes von jemandem in der Form des ‚Definitiven Todes’ (Mahāmrutyuyoga) gekommen ist, kann nichts diesen Tod verhindern. Die Art des Todes kann jede beliebige sein, wie Euthanasie oder das Sterben durch eine Krankheit.

Das wird durch einen Nachrichten-Artikel über Sterbehilfe vom Februar 2009 deutlicher:

Eine Frau im Zentrum einer Recht-auf-Tod-Debatte in Italien wurde in eine Klinik gebracht, wo sie nach 17 Jahren im vegetativen Zustand infolge eines Autounfalls 1992 sterben durfte. Ihr Vater stritt seit 1999 mit den Gerichten in Italien, um sie sterben lassen zu dürfen. Er bestand darauf, dass es ihr Wunsch gewesen wäre. Im Juli entschied ein Gericht in Mailand, dass die Ärzte nachgewiesen hatten, dass ihr Koma irreversibel war. Es akzeptierte auch, dass sie vor dem Unfall verlautbart hatte, dass sie lieber sterben als künstlich am Leben erhalten werden möchte. Der Staatsanwalt legte gegen das Urteil Berufung ein, aber das Kassationsgericht in Rom beurteilte diese Anfechtung im November als unzulässig. Der italienische Gesundheitsminister gab in der Folge einen Erlass mit der Sperrauflage für alle Spitäler der Region heraus, ihre Behandlung zu verweigern. Dies jedoch wurde am 21.Jänner von einem Gericht in Mailand außer kraft gesetzt. Eine private geriatrische Klinik in Udine war bereit, sie aufzunehmen und sterben zu lassen.

Hier die sensitve Prüfung und Analyse der obigen Geschehnisse:

  • Alle großen Ereignisse in unserm Leben sind vom Schicksal bestimmt. In einen Autounfall verwickelt zu sein, der sie in einen vegetativen Zustand stürzte, war ihr Schicksal.
  • Als sie den Unfall 1992 hatte, war das die Periode des ‚möglichen Todes’ (Apamrutyuyoga) für sie.
  • Jahrelang stritt ihr Vater ohne Erfolg darum, sie sterben zu lassen. Der Grund hierfür war, dass gemäß ihrem Schicksal es nicht der Zeitpunkt für sie war, zu sterben.
  • Nun, als der Zeitpunkt des ‚definitiven Todes’ (Mahamrutyuyoga) kam, hatte sich die Entscheidung des Gerichts zugunsten des Verlangens auf Sterbehilfe des Vaters verändert.
  • Menschen, die zu einer bestimmten Zeit den ‚definitiven Tod’ sterben sollen, werden zu dieser Zeit sterben, mit oder ohne Sterbehilfe. Jedoch ereignet sich der definitive Tod meistens nicht durch Euthanasie, sondern auf ganz natürliche Weise.

6. Was kann für einen todkranken Menschen in der Palliativpflege gemacht werden?

Palliativbehandlung ist eine physische, emotionale und spirituelle Pflege für Sterbende, bei denen eine Genesung nicht mehr möglich ist. Sie verbindet Mitgefühl und die Unterstützung von Familie und Freunden. Aber es ist nicht immer der Fall, dass holistische Palliativpflege angeboten wird. Eine Studie (USA 2001) zeigt, dass unheilbar Kranke die meiste Zeit alleine verbringen, mit einigen wenigen Besuchen vom medizinischen Personal oder von Familienmitgliedern. Nachzulesen: BBC on euthanasia.

Eine Umfrage ergab, dass 45% der Patienten, die gute Palliativpflege bekamen, ihre Meinung bezüglich der Sterbehilfe geändert hatten. Nachzulesen: BBC über Euthanasie

Im Folgenden sind einige Punkte, die man sich vor Augen halten sollte, wenn man Palliativpflege für unheilbar Kranke anbietet :

  • Unfähigkeit, Spirituelle Praxis zu machen: Die meisten Menschen machen keine Spirituelle Praxis, die mit den 6 Grundprinzipien der Spirituellen Praxis übereinstimmt. Wenn eine Person keine Spirituelle Praxis nach den sechs Grundprinzipien gemacht hat, bevor sie unheilbar krank wurde, ist es sehr schwierig, in diesem späten Stadium und unter solch schwierigen Umständen mit Spiritueller Praxis zu beginnen.
  • Anstieg von Raja-TamaWegen dem Anstieg von Raja-Tama mit Ausbruch der Krankheit und der Aussicht auf einen baldigen Tod werden sehr viele der unheilbar Kranken von negativen Wesenheiten (Geistern, Dämonen usw.) angegriffen. Diese negativen Wesenheiten versuchen, den feinstofflichen Körper des Kranken nach dem Tod zu beherrschen.
  • Bedeutung eines spirituellen Schutzes: Besondere Bedeutung hat der spirituelle Aspekt bei der Palliativpflege. Für die Patienten ist ein spiritueller Schutz vor negativen Wesenheiten besonders wichtig, obwohl ein spirituelles Wachstum wohl nicht mehr stattfindet.
  • Die spirituellen Heilmittel: Die Anwendung von spirituellen Heilmitteln geht einher mit dem Versorgen des Patienten mit einem feinstofflichen Schutzschild um ihn. Es ist auch sehr wichtig, dass er mit dem richtigen spirituellen Heilmittel versorgt wird, damit es ihm auch nutzt. Da die allermeisten Menschen keinen Zugang zu sensitivem bzw. spirituellem oder medialem Wissen haben, können sie fast nie sicher sein, welches Heilmittel sie anwenden sollten. Einen Chant im Zimmer des unheilbar Kranken im vegetativen Zustand zu spielen, wird helfen, eine Schutzhülle um ihn zu bilden. Die folgenden Chants werden für unheilbar Kranke und Patienten im vegetativen Zustand empfohlen:
    • Bis zum Jahr 2018: Es wird empfohlen, den Chant Sree Gurudev Datta gegen Vorfahrenprobleme 6 Stunden am Tag und den Chant Om Namo Bhagavate Vasudevaya 18 Stunden lang am Tag zu spielen.
    • Jemand, der Palliativpflege bei einem Patienten macht, sollte die Arbeit als Dienst an Gott betrachten, wobei man Gott (der Seele, dem Göttlichen Prinzip) im Patienten dient.

7. Zusammenfassung

Da Sterbehilfe (oder Euthanasie) ein heiß umstrittenes Thema ist, ist es schwierig, sich für eine Seite ohne Kenntnis der spirituellen Dimension und der Gesetze, die unser Leben und unseren Tod bestimmen, zu entscheiden. Wenn die Entscheidungen dem spirituellen Zweck des Lebens entsprechen, sind sie höchstwahrscheinlich spirituell korrekt. Den Juristen und denjenigen, welche die Entscheidungen treffen, fehlt leider jegliche Kenntnis über die spirituelle Dimension und daher resultieren daraus auch ihre widersprüchlichen Ansichten.

Ferner müssen wir verstehen, dass nichts im Universum ohne Gottes Willen geschehen kann. Es wäre kurzsichtig von uns, zu glauben, dass, wenn wir unser Leben durch Euthanasie beenden, es gegen Seinen Willen geschehe. Gottes Wege zu verstehen und mit unserem beschränkten Geist und Intellekt dagegen zu argumentieren, ist so, als ob man den Ozean mittels eines Tropfens Meerwasser studieren wolle. Schicksal und die Geben-Nehmen-Rechnung beeinflussen unsere wichtigen Entscheidungen. Bitte sehen Sie sich dazu auch das Online-Seminar – Warum wir tun, was wir tun an.

Schließlich, wenn wir spirituelle Forschung betreiben und dieses Universum versuchen zu verstehen, können wir letztendlich doch nur an der Oberfläche des unendlichen Gottesprinzips kratzen. Obwohl spirituelle Forschung weit über die moderne, konventionelle Wissenschaft hinausgeht, ist sie ein Betätigungsfeld, das den Gottsuchenden auf seinem spirituellen Weg nur im Anfangsstadium seines spirituellen Weges befriedigt. Es ist aus diesem Grund, dass uns die Heiligen auf der Erde drängen, Spirituelle Praxis und damit spirituell Fortschritte zu machen, damit wir unsere kleinen Geister und Intellekte verwandeln und mit Gott verschmelzen und wiedervereinigen. Wenn wir Spirituelle Praxis machen und Heiligkeit erreichen, wird die ganze Diskussion über Euthanasie oder Sterbehilfe kein Thema mehr sein, da wir verstehen und erleben, dass alles nach Gottes Willen geschieht und dass unser einziger Schwerpunkt im Leben Spirituelle Praxis sein sollte.