Spirituelle Praxis mit und ohne Erwartung

1. Definitionen

  • Spirituelle Praxis mit Erwartung (Sakam Sadhana): Dies ist Spirituelle Praxis, die mit der Erwartung weltlichen Gewinns gemacht wird. Zum Beispiel: Gebete sprechen, Opfergaben geben, fasten oder einige Rituale durchführen, um:
    • Wohlstand zu erlangen
    • Einen Arbeitsplatz zu bekommen
    • Verlorene Gegenstände zu finden
    • Ein Kind zu bekommen
    • Eine Krankheit zu überwinden
    • Die Sicherheit eines geliebten Menschen zu gewährleisten
  • Spirituelle Praxis ohne Erwartungen (Nishkam Sadhana): Diese ist Spirituelle Praxis mit dem einzigen Ziel der spirituellen Entwicklung. Bei dieser Art der Spirituellen Praxis nutzen die Gottsuchenden, die nach spirituellem Wachstum streben,  jede Situation und jedes Ereignis in ihrem Leben, um dabei Spirituelle Praxis zu machen und so spirituell zu wachsen. Wenn sie schwierigen Situationen gegenüberstehen, nutzen sie diese für ihre spirituelle Entwicklung, indem sie dabei ihr Ego verringern oder das Ergebnis der Situation vertrauensvoll dem Willen Gottes überantworten (Ishwarecha).

Lesen Sie hierzu bitte auch den Artikel über Gebete mit und ohne Erwartungen

2. Vergleich der Spirituellen Praktiken von Sakam und Nishkam

  • Wenn wir Spirituelle Praxis machen, bildet sich eine gewisse Menge an spiritueller Energie. Wenn nun diese spirituelle Energie auf weltliche Vorteile ausgerichtet ist, wie bei der Sakam-Art der Spirituellen Praxis, mögen zwar die Wünsche erfüllt werden, ein spirituelles Wachstum findet jedoch nicht statt. Dies ist vergleichbar mit dem Versuch, einen Krug zu füllen, der ein Loch hat – er wird nie voll. Wenn wir Spirituelle Praxis nach der Nishkam-Art machen, treibt all die gewonnene spirituelle Energie unser spirituelles Wachstum voran. Wenn ein Gottsuchender Spirituelle Praxis ohne Erwartungen (Nishkam Sadhana) macht, entwickelt er sich nicht nur spirituell, sondern es werden zudem auch seine materiellen und weltlichen Bedürfnisse bedacht.
  • Gottsuchende erfahren weltliches Glück, wenn sie Spirituelle Praxis mit Erwartungen (Sakam) machen, erfahren aber Glückseligkeit (Anand), wenn sie Spirituelle Praxis ohne Erwartungen (Nishkam) machen.

Nishkam und Sakam Spirituelle Praxis - Mit und ohne Erwartungen

 

Spirituelle Praxis mit Erwartung (Sakam Sadhana) Spirituelle Praxis ohne Erwartung
(Nishkam Sadhana)
Aktiviert: Den Erlöseraspekt Gottes Das Guru- oder Lehrprinzip Gottes
Ergebnis: Dass weltliche Wünsche erfüllt werden, hängt jedoch ab von:
– Der Intensität der Spirituellen Praxis
– Dem Schicksal, das man durchleben muss
Der Gottsuchende entwickelt sich spirituell
Aktiviert: Den Erlöseraspekt Gottes
Ergebnis: Gott kümmert sich um den weltlichen Bereich des Lebens des Gottsuchenden
Aktiviert: Den Zerstöreraspekt Gottes
Ergebnis: Der Zerstöreraspekt des Gottesprinzips beseitigt alle Hindernisse durch andere, die dem Gottsuchenden Schwierigkeiten bereiten

 

  • Wenn wir Spirituelle Praxis nach Sakam-Art machen (also mit Erwartungen), aktivieren wir den Erlöseraspekt des Gottesprinzips. Das Endergebnis dessen, worum wir beten oder was wir uns wünschen, hängt hauptsächlich von der Intensität unserer Spirituellen Praxis und unserem Schicksal ab. Wenn wir Spirituelle Praxis nach Nishkam-Art machen (also ohne Erwartungen), aktivieren wir das Guruprinzip oder das Lehrende Prinzip Gottes, das unsere spirituelle Entwicklung betreut. Gleichzeitig aktivieren wir jedoch auch den Erlöseraspekt (tarak) Gottes. Wird ein Gottsuchender, der Nishkam-Praxis macht, von jemandem behindert und gestört, wird die Zerstörerform (marak) Gottes aktiv, um den Gottsuchenden zu schützen und den Störenfried in die Schranken zu weisen.
  • Sakam Spirituelle Praxis vermag keine Beständigkeit zu geben. Nehmen wir zum Beispiel an, ein Mensch macht Spirituelle Praxis, um großen Wohlstand zu erlangen. Sobald er vermögend geworden ist, möchte er mehr. Er wünscht sich z.B. eine gute Gesundheit, einen passenden Ehepartner, ein Kind und so weiter. So verfängt er sich in einem Teufelskreis, seine unterschiedlichen Wünsche zu befriedigen. So gerät er in einen Teufelskreis, indem er versucht, seine verschiedenen Wünsche zu befriedigen. Solch eine Suche kann niemals enden, da es immer noch etwas zu erfüllen gibt. Daher kann man niemals bleibende Zufriedenheit aus dieser Art der Spirituellen Praxis erfahren. Bei der Nishkam-Art hingegen erkennt die Person – sofern erst einmal das einzig wahre Ziel des spirituellen Wachstums erreicht ist –  ihr wahres Selbst und verwirklicht Gott. Auf dieser Stufe der spirituellen Entwicklung erhält man die anhaltende Erfahrung beständiger Glückseligkeit.
  • Die Sakam Spirituelle Praxis handelt von allen Geschöpfen oder erschaffenen Objekten, während die Nishkam Spirituelle Praxis vom Schöpfer handelt. Bei der Sakam Spirituellen Praxis geht es darum, Dinge in der Großen Illusion (Maya) zu erlangen, während es in der Nishkam Spirituellen Praxis darum geht, die Absolute Wahrheit zu erkennen und zu erfahren, die Gott daselbst ist.